WMR58 – Dr. Jesus Ponader

Es war mal wieder Zeit. Zeit für Streit. Zeit für Urheberrecht. Aber auch Zeit um uns über die Welt da draußen lustig zu machen. Zeit mal wieder im intimen Zweiergespräch ein paar eigene Gedanken zu formulieren. – Zeit für WMR-Classic.

Hier die Themen:

Dieser Eintrag wurde von mspro veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen zum Permalink.

25 Gedanken zu „WMR58 – Dr. Jesus Ponader

  1. Pingback: Vorhersage Sonntag, 10.02.2013 | die Hörsuppe

  2. Die Diskussion um Preise für Kulturgüter begann mit dem Vergleich: Preis eines Buches vs. Preis für einen Monat Internet. Ihr habt hier mMn über zwei verschiedene Preise geredet. Tauschwert vs. Gebrauchswert. Ihr kamt deshalb hier auch nicht auf einen Nenner.

  3. Wieder lockere Unterhaltung über interessante Themen. Mir gefällt eure Diskussionskultur auch ruhig ins „Unreine“ zu denken und die Gedanken in der Diskussion zu entwickeln. (Bsp. Urheberrechtsdebatte). Michaels Bemerkung dass nicht jeder „mal eben so“ 20 Euronen hier, 50 Euro dort abdrücken kann um sich (Zugang zu) Kultur und Wissen zu kaufen pflichte ich bei.. Deutschland ist ein Land in dem immerhin knapp 8 Millionen Menschen im Niedriglohnsektor arbeiten, dazu kommen Arbeitslose, Langzeitarbeitslose und aus Statistiken „weggerechnete“ Erwerbslose. (1-Euro-Sklaven, Pseudofortbildungsteilnehmer etc) hinzu. Die Wirklichkeit in dem ach so tolle Vollbeschäftigungsland sieht für mich ziemlich trist aus. (Suchen nach Stichwörtern wie „Armut“, „Niedriglohn“, „Armutsbericht“ u.ä. liefern genügend Ergebnisse). Altersarmut wird sich in Zukunft erhöhen. Wegen dieser Gegebenheiten würde ich einen möglichst niedrigen, bis auf Null gehenden finanziellen Schwellenwert für den Zugang zu Wissen und Kultur befürworten. Damit will ich jetzt nicht das Fass der Reich-Arm-Debatte aufmachen und mich über Armutsdefinitionen streiten („geh mal nach Indien, dann weisst du was wirklich Armut ist“ etc), sondern mich nur Michaels Bemerkung diesbezüglich anschliessen. Es gibt Menschen in Deutschland die von sozialer und kultureller Teilhabe finanziell ausgeschlossen sind und es sind nicht wenige.

    Zur Frage warum der Politiker Ponader bei vielen so verhasst ist, habe ich folgende Idee : nur wenige Sachen verletzen Menschen mehr oder versetzen sie in Panik als eine erzwungene bzw. fremdbestimmte Selbsterkenntnis, und diese wird wahrscheinlich durch das deutlich unaggressive Verhalten von Ponader hervorgerufen. Ponaders Verhalten hält aggressiven Politikern und anderen aggressiven Menschen einen Spiegel vor, in den die meisten Leute nicht hineinsehen wollen. Solange die Selbsterkenntnis auf eigenen Wunsch und in einer selbstbestimmten Geschwindigkeit erfolgt, ist sie erträglich. Geschieht sie ungewollt, fremdbestimmt und rückt das Selbstbild negativ zurecht, reagieren die meisten mit Aggression und Angst was sich als Hass auf den Auslöser der ungewünschten Selbsterkenntnis ausdrückt.. Anscheinend sehen sich auch Ellenbogenpersönlichkeiten und Egomanen als „gute“ Menschen, wobei das Selbstbildnis dieser Leuten anscheinend recht leicht zu Fall gebracht werden kann. Das wäre mein Erklärungsversuch zu dieser Frage.

    Eine Bemerkung zum Thema „Utopie“ : Für mich ist eine Utopie nicht sinn- und zweckfrei. Wenn sie auch gesellschaftlich nicht erreichbar ist, so zeigt sie doch eine Richtung an, in die die Befürworter einer Utopie gesellschaftlich gehen wollen. Sie ist Zugpferd und Richtungsanzeiger für gesellschaftliche Veränderung. Dabei ist völlig unerheblich, dass sie nie zu 100 Prozent umgesetzt werden kann. Mit dieser Sichtweise komme ich persönlich besser klar als die gesellschaftlichen Verhältnisse als gegeben hinzunehmen und dann die relativ ungesteuerten Veränderungen mit kleinen Verbesserungsversuchen zu begleiten, ohne eine Richtung zu sehen in die sich die Gesellschaft entwickelt. Oder ich sehe die Richtung, in die sich die Gesellschaft aktuell entwickelt, aber ich lehne sie ab. Hat man ein weites Ziel vor Augen, ist es leichter die Richtung einzuhalten als nur immer ein paar Meter weit zu sehen.

    • Hinsichtlich des Zugangs zu Wissen und Kultur werden häufig leider schon lang existierende Institutionen vergessen. So z. B. die öffentlichen Bibliotheken. In meiner Heimatstadt bekommt man für 15 Euro im Jahr (!), bei Ermäßigung (Studenten, Sozialpass etc.) 7,50 €/ Jahr (i. d. R. wird selbst dieser Kostensatz für Sozialpass-Besitzer durch den Förderverein auf 1 €/ Jahr gesenkt) und für Kinder und Jugendliche bis 18 kostenfrei einen Zugang zu:

      – ganz vielen Büchern (Literatur, Sach- und Fachbücher)
      – einer großen Auswahl an Zeitschriften und Zeitungen
      – Hörbüchern
      – Musik-CD (jede Musikrichtung)
      – DVD und BlueRay
      – Computerspielen (man kannsogar in der BIbliuothek spielen)
      – klassischen Spielen
      – PC-Nutzung (nicht nur zum Suchen, auch zum Briefeschreiben usw.)
      – Bildern (ja, man kann kostenlos Gemälde und Grafiken ausleihen)
      – und täglich eine Stunde Internet kostenlos
      – regelmäßige Veranstaltungen und Lesungen ohne Eintritt (hier muss man nicht mal MItglied sein)

      Ich denke, das ist eine ganze Menge und solange man die Termin einhält entstehen auch keine weiteren Kosten. Der Zugang für Jedermann existiert bereits oder besser noch, denn leider sind Bibliotheken keine Pflichtleistungen und Kommunen sparen hier gern, auch wenn gerade Bibliotheken zu den meistgenutztesten Kultur- und Bildungseinrichtungen gehören. (der BIB listet die geschlossenen Bibliotheken auf- mal unter Bibliothekssterben suchen)

      Viele Grüße

      Markus

      • Dazu kommt übrigens noch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten plus die Privaten. ALG2-Empfänger sind hier gebührenbefreit. Ich würde allerdings die Gebührenbefreiung noch etwas ausgeweitet sehen wollen.

  4. Man kauft mit einer CD nicht das Recht, die Musik zu hören. Diesem Irrtum unterliegen erstaunlicherweise sehr viele Leute. Man kauft einfach einen Tonträger, fertig. Dann darfst Du die Musik darauf natürlich hören, aber Du bezahlst nicht für dieses Recht, weil Hören nicht verboten ist und es deshalb auch nicht ausdrücklich erlaubt werden mußt. Also, Fazit: Du erwirbst mit einer CD kein Recht bzw. eine Lizenz, sondern einfach nur einen Tonträger. Ich bin übrigens nicht für die Abschaffung des Urheberrechts.

  5. Sorry, ich hab‘ noch was vergessen: Könntet Ihr BITTE mal auf das „D“ in „Journalismus“ verzichten? 😉 „Journalismus“ ist weder Denglisch noch Englisch, sondern ein französisches Lehnwort aus der deutschen Sprache, von „jour“ („Tag“) kommend. In „Journalismus“ gibt es kein „D“.

  6. „Ich kenne Leute, männliche Leute“ (c) mspro. Irgendwie muss ich dabei an James Bond denken :3
    Und nun zu meiner Frage: Habt ihr wirklich vorgeschlagen man solle, wenn man einer Frau ein Kompliment machen will (spontan) erstmal sich eine gemischte Gruppe suchen ( aus männlichen Leuten und weiblichen Leuten ) damit die Frau sich sicher fühlt und erst dann sie ansprechen? Wenn ich das dann richtig verstehe sollte ich, wenn ich allein in ne Bar oder sonstwohin gehe, entweder niemanden ansprechen oder mir ne Gruppe suchen? 😀
    Sorry das es sich wie trollen anhört, ich bin mir sicher ich hab da was falsch verstanden.

    Ps. Es ist doch nichts neues dass Frauen spät Abends oder Nachts die öffentlichen Verkehrsmittel meiden. Als Frau wird man im Zweifel angemacht, als Mann verprügelt.

    • Sorry wenn es sich wie trollen anhört: ja, wenn du eine Frau ansprichst, dann sollte sie sich sicher fühlen, erhöht vermutlich auch die Erfolgsaussichten enorm. Ob dazu in der konkreten Situation eine Gruppe von Leuten notwendig ist hängt sicherlich von den äußeren Umständen ab.

      • Es kam so rüber als ob man immer in ner Gruppe sein sollte wenn man Frauen ansprechen will ( oder einen Kompliment machen will )

        Ich denke bei mir fühlen frauen nur Angst, Verwirrung oder Mitleid. Und ich habe auch keine „Gruppe“ von Freunden weil ich sie mir genau aussuche ( und aus anderen Gründen). Demnach ist jede Annäherung von mir an eine Frau gleich ein Übergriff weil sie sich nicht sicher fühlt? Das würde einiges erklären 😀

        Wenn du sagst das es immer von den Umständen abhängt, wie sonnvoll ist es dann allgemeine Regeln für die Interaktion mit Frauen aufzustellen zu wolen?

  7. Es mag uns nicht passen, aber der Grund, warum wir überhaupt existieren, ist Sexismus. Genau der sorgt nämlich seit Milliarden von Jahren dafür, dass sich Bioformen reproduzieren. Unser Betriebssystem im Stammhirn wird immer im jeweils anderen Geschlecht etwas sehen, mit dem man sich paaren und Nachwuchs aufziehen kann, und es wird im eigenen Geschlecht immer eine Konkurrenz sehen. Die Spezies Mensch hat über diesen Betriebssystemaufruf ein paar zivilisatorische Layer gepackt, aber Fressen, Fortpflanzen und Fernsehen werden immer bei uns als tierische Grundbedürfnisse vorhanden sein.

    Das rechtfertigt allerdings nicht, wie Männer teilweise mit Frauen umgehen.

    Es zerstört nur das Idealbild, dass wir einander künftig mit mathematischer Sachlichkeit behandeln und nach rein objektiven Kriterien vorgehen werden. Wir werden unsere Instinkte in gesellschaftlich akzeptierte Bahnen lenken, aber nicht ausschalten können. Ehrlich gesagt: Ich finde das auch in Ordnung.

    Womit wir bei dem Punkt wären, der auch in der Diskussion anklang: Wie soll künftig ein Mann einer Frau (oder auch umgekehrt, die Konventionen weichen in dieser Hinsicht glücklicherweise auf) mitteilen, dass er sie mag? Wenn Türaufhalten und Bananenessen auf dem Congress schon für sexuelle Belästigung gehalten wird, wie soll dann künftig das Zusammenleben der Geschlechter aussehen? Es gab Zeiten, da konnte man mit hochrotem Kopf einer Frau sagen, wie sehr man sie schätzt, und als Antwort gab es entweder ein „lass uns Freunde bleiben“ (was man akzeptierte) oder ein Signal, dass sie ebenfalls Gefühle für einen hegt. Inzwischen habe ich offen gesagt keine Idee mehr, wie ich mit einer Frau reden soll, ohne mir vorwerfen lassen zu müssen, sie übelst sexistisch zu diskriminieren. Wenn ich mich in einer Stadt verlaufen habe, und ich treffe auf eine gemischte Polizeistreife, frage ich zuerst den Mann oder die Frau nach dem Weg? Spreche ich den Mann an, traue ich der Frau nicht zu, mir eine Auskunft zu geben. Spreche ich die Frau an, spreche ich sie aus Gründen der Nichtdiskriminierung an, nicht weil ich einen objektiven Grund sähe, ihre Kompetenz der ihres Kollegen vorzuziehen.

    Die Situation erinnert mich an „Idiocracy“. Eine Handvoll Akademiker sinniert, in seiner eigenen intellektuellen Volkommenheit badend, über Gendern, gerechte Sprache, Creeper Cards und Anti-Harassment-Policies – Reproduktionsrate: 0. Der Rest fällt einfach so übereinander her und setzt mit 15 das erste Kind in die Welt. Reproduktionsrate im Verlauf des eigenen Lebens: nicht unter 5. Ratet mal, was sich in der Evolution durchsetzt.

    • Ich glaube schon, das das zerstören dieser Instinkte wünschenswert ist. Ich finde, das wir unsere Instinkte unter Kontrolle haben sollten, und nicht die Instinkte uns, und das man so alberne Dinge wie „Liebe“ damit auch entfernen kann (ja, ich sehe das ziemlich radikal. Ich hasse die Liebe wie nichts anderes, und hoffe auf ihren Untergang). Die Frage die wir uns also stellen müssen ist nicht „Wie gehen wir mit diesen Instinkten um?“, sondern „Welche Instinkte wollen wir haben?“! Wollen wir den scharfen, klaren Verstand, oder die unscharfe und unklare Liebe? Wollen wir Gefühle oder wollen wir Visionen? Meine Antwort steht fest. Die deine, die ich hier sehe, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Wie kann man selbstgewollt der Welt gegenüber blind sein? Wie kann man vertrauen wollen, lieben wollen, eine einzelne Person übermäßig loben und damit belügen wollen? Das biologische Argument deines Textes ist zwar richtig, doch imho keinesfalls ausreichend für eine Erklärung dieser Fragen,
      Ich hoffe du hast überhaupt eine Erklärung für sie….

  8. Ich habe noch ein anderes Argument in eurer Urheberrechtsdiskussion:
    Das Geld, was ich für eine Sache zahle, drückt aus, wie viel es mir wert ist (Im Ideal natürlich nur, ansonsten würden wir andere Preise für unser tägliches Zeug bezahlen^^)
    Das aber, was mir am meisten Wert ist, wird mir geschenkt. Ich höre viel lieber Podcasts als mir Hörbücher zu kaufen, ich schaue mir viel lieber Youtube-Videos an als mir Filme zu kaufen, und die Musik die ich höre ist auch meißtens kostenlos (klassische Musik, freie Musik etc.) oder nirgendwo zu bekommen (das ist wirklich ein Problem; Ich bin ein unglaublicher Freund von alten Computerspielesoundtracks (speziell Konsolen-Spiele der frühen bis mittleren 90ern), und die kann man nirgendwo vernünftig kaufen!).
    Warum soll ich dann für Sachen, die mir viel weniger Wert sind, bezahlen, wenn die Sachen, die ich kostenlos bekomme, mir schon reichen?
    Natürlich ist den meißten Leuten das verkaufte mehr Wert, aber früher oder später wird es in jedem der immateriellen Bereiche so oder so ähnlich aussehen. Ich vertraue fest darauf, das die Leute, die ihr Tun der Leidenschaft wegen tun, viel bessere Ergebnisse bringen werden als die, die es nur des Geldes wegen tun. Die meißten mögen mit dieser Qualität nichts anfangen können, doch vielen wird es reichen. Das ist imho ein viel logischeres Argument für den Untergang des Urheberrechtes als deines, mspro (zumindest in begrenzten Kontexten wie dem unseren)^^

  9. Nur ein kleiner Hinweis organisatorischer/technischer Art: Die downloadbaren Dateien heißen alle „WMR59“, obwohl es WMR58 ist. Das könnte man vielleicht kurzerhand mal anpassen, damit keine Verwirrungen entstehen. Nicht dass nicht jeder Nutzer selbst das beim/nach dem Runterladen ändern könnte, das ist aber doch irgendwie unnötig. 😉

    • Ja, ich weiß. Wenn ich den Dateinamen ändere, kriegen die ganzen Podcasthörer die Sendung aber noch mal als neu angezeigt. Da eh niemand die Datei händisch runterlädt ist der Name eigentlich auch komplett wurscht.

      • Ah, ok, dann ist das natürlich unnötig für alle, die automatisch abonniert haben.

        Allerdings laden einige Leute die Datei doch händisch herunter, zumindest ich. Aber vielleicht bin ich auch der einzige. 😛

        Übrigens mal danke für all die Stunden interessanter Unterhaltungen. Ich behalte etwa alle 10 Sendungen auf meinem Rechner, alles andere ist doch eher kurzlebig (nicht: langweilig!). Aber Sendungen wie die mit Lobo, Malte Welding oder so sind doch das eine oder andere Mal öfter hören wert!

  10. Ich bin einer von diesen Podcast Nachhörern. Danke für eure klaren Ansagen zum Thema Aufschrei. Sollte selbstverständlich sein, wars aber leider nicht. Daran erinnere ich mich auch ein Jahr später noch mit Gruseln.

Kommentar verfassen